Schüler stoppen "Marphili"-Epidemie

[15.08.2017] Simulationsexperiment am Institut für Virologie auf den Lahnbergen fand zum fünften Mal statt

Wie reagiert man als Virologe im Krisenfall auf das Auftreten eines neuartigen Virus? Marburger Schüler gewannen anhand eines fiktiven Szenarios praktische Einblicke in die Labore des Uni-Instituts für Virologie.

Marburg.
Bereits zum fünften Mal fand das Simulationexperiment für Schüler am Institut für Virologie statt. Halb spielerisch, halb ernst erforschten die Schüler das fiktive aber tödliche Virus „Marphili“, das dem Szenario zufolge im Jahr 2020 von den Philippinen nach Deutschland gekommen ist und sich schnell weltweit ausbreitet. Und so las sich das vorher von den Wissenschaftlern des Instituts festgelegte „Drehbuch“ der „Marphili“-Epidemie: Eine erkrankte deutsche Familie kehrt nach einem längeren Aufenthalt auf den Philippinen nach Deutschland zurück. Der Familienvater zeigte am Frankfurter Flughafen erste Symptome: Fieber, Gliederschmerzen und Atemschwierigkeiten, die auf eine Infektion mit dem „Marphili“-Virus schließen ließen. Wie musste jetzt weiter mit ihm und den weiteren Familienmitgliedern umgegangen werden und wie kann ein weiteres Ausbreiten der Krankheit verhindert werden? Darum ging es in dem „Marphili“-Projekt. Die Simulation dauerte zwei Tage. Schüler der Jahrgangsstufen elf und zwölf des Gymnasiums Philippinum und der Martin-Luther-Schule nahmen daran teil. Das Ziel des Projektes war es, den Teilnehmern unter möglichst realitätsnahen Bedingungen die Arbeit der Mediziner im Fall eines Epidemie-Verdachts beizubringen. So ging es beispielsweise darum, wie man ein Virus anhand von Blutproben im Labor diagnostiziert und charakterisiert.
Die Schüler berichteten der OP über ihre Erfahrungen. „Wir hatten verschiedene Aufgaben an den beiden Tagen. Als erstes mussten wir überprüfen, ob die Patienten, die gerade von den Philippinen zurückgekommen waren, überhaupt infiziert sind“, sagt Jakob Eickhoff. „Bei der Diagnose kann es vorkommen, die Symptome mit einem anderen Virus, das die gleichen Symptome verursacht, zu verwechseln“, ergänzt Saskia Weidenhübler. Auf die OP-Frage, warum er mitgemacht hat, antwortet der Zwölftklässler Jakob Eickhoff: „Ich habe schon öfters überlegt, als Laborant zu arbeiten und möchte jetzt natürlich so viel wie möglich darüber lernen. Die ganzen Untersuchungsmethoden, die wir hier gemacht haben, kommen auch sehr häufig in ganz unterschiedlichen Bereichen vor, zum Beispiel in der Krebsforschung.“
Unter Anleitung von Marburger Forschern erprobten die Schüler verschiedene Experimente und Tests im Labor, um zu lernen, wie Menschen durch das neuartige Virus angesteckt werden und wie man sich davor schützen kann. Im Anschluss an Theorie und Praxis im Hörsaal und im Labor fand auch noch eine simulierte Pressekonferenz statt, in der die Schüler sowohl die Rollen der Virus-Experten als auch die der Journalisten übernahmen.
Doktoranden als Betreuer
Experten aus der Pressestelle der Philipps-Universität hatten dabei im Vorfeld Hilfestellung gegeben. „Es wurde vermittelt, wie man mit der Öffentlichkeit umgeht, wie man auf die Fragen reagiert und wie man die Information richtig formuliert“, erzählt Cornelius Rohde. Er übernahm als Mitorganisator der „Marphili“-Simulation gleichzeitig auch die Rolle eines Journalisten.
Wie könnte das Virus sich weiterentwickeln? Wie hoch ist die Dunkelziffer der Infizierten? Gibt es bereits ein Medikament gegen das Virus? Oder verheimlicht die Pharmaindustrie die Entwicklung eines solchen Medikamentes, damit sie noch mehr Regierungsgelder bekommen könnte? Bei der Pressekonferenz wurden diese und andere teilweise auch provokativen und kuriosen Fragen kompetent von den „Forschern“ Vincent Buffler, Tom Winkler und Praktikumsbetreuer Michael Klüver beantwortet.
Die „Marphili“-Simulation wurde von den Doktoranden des Institut betreut: „Die Nachfrage nach dem Projekt ist sehr hoch und man sieht, dass die Schüler sehr motiviert sind, was uns sehr freut,“ zieht Cornelius Rohde als einer der Organisatoren eine positive Bilanz. Auch von den Schülern kamen insgesamt sehr positive Bewertungen des Projekts.

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Quelle: Oberhessische Presse